Eine Frau, die klüger ist als ich, hat einst gesagt: „Man ist, was man tut.“ Was bin ich dann also? Im Folgenden versuche ich darauf ein paar Antworten zu finden.
(Einige der Bilder sind aus urheberrechtlichen Gründen und aus Gründen der Privatsphäre leicht abgewandelt.)
“History, will teach us nothing.” Es sind die späten Sechziger Jahre. Die westliche Welt befindet sich im Rausch. Es gibt einen amerikanischen Blutrausch in Vietnam, während die Jugend Zuhause auf LSD sein darf und die Briten bekommen nach ihrer Beatlemania, wie zur Belohnung, auch noch Pink Floyd geschenkt. Und hier?
In Deutschland herrscht dagegen Konsumrausch. Brav werden jene Konsumgüter konsumiert, die leider auch nicht über den verlorenen Krieg und die totale Leere in den Seelen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration hinwegtäuschen können. Im Geiste dieser Zeit, inmitten des Kalten Krieges, exakt auf der Mitte zweier rivalisierender Systeme (oder wie ich diesen Punkt gern nenne: „Helmstedt“) komme ich zur Welt. Eingeklemmt, im quälenden Übergang von extremer Zucht und Ordnung gegenüber Heranwachsenden und der leider dann doch allzu laschen anti-autoritären Erziehung, von der ich ohnehin nie profitieren durfte. Mein Plan also: Eine Zuflucht schaffen, vielleicht auch ein Versteck. Warum erzähle ich das …? Ach ja, Musik …
Hier kommen sie also, die wichtigsten Eckpfeiler meiner (musikalischen) Entwicklung …
Teil 1 Die frühen Jahre
A.) Mein erster Auftritt auf der Bühne der Greensburg Elementary School im Nordosten der Vereinigten Staaten von Amerika im Dezember 1977. Ich sang “Oh, Tannenbaum” vor dem gesamten Schul Auditorium. (Eine leider zu lange Geschichte, um sie an dieser Stelle auszubreiten, aber ich frage mich bis Heute, wie ich danach je wieder freiwillig eine Bühne betreten konnte.)
Ein Kind im Alter von ungefähr 9 Jahren in den USA
B.) Den Fein(d)sender hören: British Forces Broadcasting Service. BFBS-UK. Sozusagen der BBC für die Soldaten im Dienste Ihrer Majestät auf deutschem Boden. Oder wie es mein Vater zu sagen pflegte: „Thommy Sender“. Was für eine Wohltat-neben Bata Illic und Costa Cordalis.
C Mein erster Kassettenrekorder um ca. 1980 (von UHER). Nach den ersten Aufnahmen, die ich damit machte (meist Gesang), kam ich auf die Idee, mir einen weiteren zu leihen, um im PingPong Verfahren, weitere „Spuren“ hinzufügen zu können. Mein erster Schritt zum Musikproduzenten.
Damals modern, mein erster Kassettenrecorder
D.) Musikunterricht in der Schule Schulband. Wir spielten Beatles (da sind sie wieder), Supertramp, Elton John, Pink Floyd (da sind sie wieder) und Sting. Dort habe ich zum ersten mal die Tiefe und die Schichten von Musik gesehen und gehört. Unser Musiklehrer Michael Czenerik (R.I.P.) hat die einzelnen Instrumente und Ebenen vor uns aufgeblättert wie in einer Partitur und schrieb diese sogar für uns auf. Er kaufte sich eine Bandmaschine, die es ihm erlaubte, alles auf halber Geschwindigkeit abzuspielen, um die Instrumente genauer unter die Lupe nehmen zu können. Er war ein Genie. Er hatte es nicht nur verstanden, die kompliziertesten und schönsten Stücke zu durchdringen, sondern diese anschließend auch noch mit 20 gerade so halb-talentierten, pubertierenden 80er Kids umzusetzen und für Auftritte vor Publikum ansehnlich zu gestalten.
Wahrscheinlich habe ich es ihm zu verdanken, dass ich Heute noch lebe. Daher übrigens auch mein Mittelname. Auf jeden Fall habe ich es ihm zu verdanken, dass mir meine Eltern ein (gebrauchtes) Drumkit geschenkt haben. Er kam zu uns nach Hause (es muss auch für ihn eine echte Herausforderung gewesen sein, meinem Vater gegenüber, sein Anliegen zu erklären) und keine 2 Wochen später zog ein 5-teiliges „Newsound“-Kit für ca. 1.500 DM bei uns ein. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die anschließenden Nachbarschaftsprobleme eingehen, mit denen sich weitestgehend meine Mutter herumschlagen musste. Kurz gesagt: Ein Proberaum musste her und zwar schnell. Unter dem Hallenbad, in meiner kleinen Heimatstadt, gab es ungenutzte Räume, zu denen mir ein engagierter Sozialarbeiter der Stadt Zutritt verlieh. Hier durfte ich üben. Immer. Und das tat ich natürlich. Irgendwann war ich immerhin so gut, dass ich mich dort mit verschiedenen Bands ausprobierte, bzw. die Bands auch mit mir. Aber schon wenig später gab ich so etwas wie Unterricht. Sagen wir, ich brachte ein paar interessierten Kumpels in Grundzügen das bei, was ich mir kurz zuvor selbst erst beigebracht hatte. Da war ich ca. 16. Irgendwann kam ein Junge in den Raum, zusammen mit seiner Mutter, nennen wir ihn A. Er war sich noch nicht ganz sicher, ob er wirklich Schlagzeug spielen, oder etwas anderes lernen wollte. Am Ende entschied er sich dann wohl für Gesang. Eine weise Entscheidung wie sich später herausstellen sollte. Heute füllt er große Säle und macht erfolgreich seine Musik.
Teil 2 Die MITTLEREN Jahre DES PETER m. GLANTZ
E.) Natürlich gab es da die ersten (und letzten) Bands, mit denen ich Auftritte hatte. Alles war möglich. Theoretisch. Leider auch praktisch …
Zunächst war da die deutschsprachige Rock´n Roll-Mukkergruppe, mit der ich ausserhalb der Schule u. a. meinen ersten Auftritt hatte. Im Dorfgemeinschaftshaus Barmke, das erste Mal vergisst man ja bekanntlich nie.
Dann kam der erste Publikumsliebling, der sich am britischen New Wave orientierte. Ein Popmusikversuchsteam, zwischen 84 und 1988, sogar schon mit E-Drums und Drumcomputer.
Eine ein wenig verkrampfte Bluesrock-Truppe gab es auch, immerhin hatten wir es geschafft, eine kleine Tour in Dänemark zu organisieren. Unvergessen allerdings nur der Auftritt mit dem legendären Teddy Wiener.
Um 1993 wurde eine Deutsch HipHop/Crossover Rockmetal-Band vorsätzlich gezeugt. Es war Sommer und wir fanden uns so geil. Man könnte vieles über das Projekt erzählen oder sogar lästern, wenn man wollte. Ich belasse es aber bei meiner Dankbarkeit für folgende zwei Erlebnisse: Wir konnten zusammen mit den Rolling Stones auf dem Schüttorf Open Air spielen, mit Chaka Khan und den phantastischen Sparks. End of story.
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Fast gleichzeitig entstand ein unerhebliches pseudo–Funk-Retortenbaby, ermöglicht durch einen A+R in den höchsten Höhen seiner Superkräfte. Zu diesem Zeitpunkt hätte er sich vermutlich auch für eine singende Zecke am Unterarm eines Versicherungsvertreters stark machen können und diese mit einem unbegrenzten Marketing-Budget ausstatten können. Manchmal ist Controlling eben doch gar nicht so verkehrt.
Ein fragiles Trip-Hop Projekt mit deutschen Texten und wunderschöner Musik. Doch Bristol war weit. Kein Champagner am Ende des Tunnels.
Die unentschiedene Esoschmalz-Balladenelectropoprockcombo mit weiblicher Stimme, die allzu viel wollte. Zu viel Ego im Spiel, zu viel Schmerz, viel zu viel von Allem und dann – war da gar nichts mehr. Hohe Reibungsverluste auf allen Konten.
Und natürlich war da noch das ständig unterfinanzierte Remix-Duo mit Produzententätigkeit. Sicher gab es ein paar Highlights, aber unterm Strich blieb nix. Oder alles auf der Strecke bzw. kam unter die Räder. Dennoch, einer der wichtigsten Stationen auf meinem Weg. Viel gelernt und mir in der Zeit auch einen meiner Lieblingskünstler erhört, der dies auch noch immer ist: Tricky.
Und zu guter Letzt, als ob das nicht alles schon genug gewesen wäre, gab es diese Hymnenpop-Boygroup für Radio und Musik-TV. Für die großen Bühnen und die noch größeren Gesten, mit allen Clichées und Drum und Dran. Ironischerweise, war gerade diese Band vermutlich jene, die im Ursprung und Kern die musikalische Qualität, das überdurchschnittliche Songwriting, den geschmackvollsten Geschmack, stilvollsten Stil und den bissigsten Biss gehabt hätte, wirklich etwas zu bewegen. Doch das Musikbusiness hatte andere Pläne mit uns vor. Allerdings auch plötzlich kein Geld mehr. Oder Mitarbeiter. Oder auch nur Büros. Oder einen Ansprechpartner. Zitat aus einem fiktiven Telefongespräch: „Welche Plattenfirma? Hier im SONY-Center soll die sein? Sagt mir jetzt nichts. Ach die, bei der sie einen Vertrag unterschrieben hatten? Die Firma, die jedem und vor allem euch das Geld in den Arsch geblasen, überteuerte Videos hat machen lassen, als hätten sie eigentlich nur ein paar Freunden mal wieder einen gut bezahlten Job zuschustern wollen? Und die euch ein Jahr lang luxusmässig auf Tournee geschickt hat, als seid ihr Bowie in den 80ern? Tja, die ist pleite.“ – Tut tut tut …- Ende des Gesprächs. Wenigstens hatten wir zwei Jahre ein (Nightliner-)Dach über dem Kopf, auch wenn sich anschließend ein paar von uns in Therapie und die anderen in den Entzug begeben mussten. Aber, Schwamm drüber …
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Natürlich fehlen hier etliche kleinere oder größere Stationen, abgewürgte Projekte, leidige Geschichten und verzwickte Lehrstücke. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es nicht. Jedenfalls ging das so bis 2003. Scheitern als Chance, wie es Christoph Schlingensief so schön treffend formulierte, wenn auch in anderen Zusammenhängen.
Das Lernen geht ja immer weiter
Teil 3 Die selbstverwalteten Jahre (2001 – 2010)
Bereits 2002, auf einer ausgedehnten Tournee durch das Land, mit der bereits erwähnten Hymnenpop-Boygroup, im Vorprogramm von Fury, einer der letzten echten großen Rock´n Roll Bands Deutschlands, begann ich an den Off-Days oder nach den Shows, immer dann wenn alle schliefen oder sich betrunken oder bekifft von willigen G*** f*** ließen, an meiner eigenen Musik zu arbeiten. Fernab von Zwängen, Regeln oder Vorgaben. Pure Freiheit. Nur ich, ein Rechner, ein paar Keyboards, alte Synths, eine Halbakustik aus dem damals noch bestehenden Endorsement-Deal, ein 5-Saiter Bass und ein Drumset aus einem anderen Endorsement-Deal. Ich hatte ja schon ein kleines Produzentenstudio, in dem ich ungestört arbeiten konnte. Freude und Glück entstand nun durch die Anwesenheit von totaler Autonomie, durch die Ermöglichung von Zufällen im kreativen Prozess, das Austoben an Instrumenten, das Ergründen und Tweaken von Sounds, bis zur Unkenntlichkeit. Wenn ich wollte, durfte ich an meiner Musik arbeiten, bis ich darin zum Vorschein kam oder weit darüber hinaus, bis hin zu meiner vollkommenen Abwesenheit. Das Projekt nannte ich folgerichtig: The Band Without Glantz und das erste Album hieß natürlich „Aftershow-Party“. (Der Rest ist: Viel, sehr viel Musik, 10 Platten bei verschiedenen Indie-Labels, immer mehr Leute kommen hinzu, es wird komplizierter, Auftritte in 100 verschiedenen Besetzungen, blablabla und irgendwann keine Lust mehr. Auch okay, war super.)
Symbolbild
Teil 4 DER hybride Peter M. Glantz (2005 – 2025)
Diese beschreiben mich als den Peter M. Glantz, der sich nun nicht mehr ausschließlich auf ein Feld oder ein Projekt beschränkt. Beschränken muss. Beschränken will. Aber auch beschränken darf.
Auftragsarbeiten in diversen Kontexten, Studios, Teams und Zusammenschlüssen. Hauptsächlich für Theaterproduktionen, Werbung und TV. Aber auch für Ausstellungen, Installationen, Podcasts und für alles, wofür man Klänge oder Musik benötigt. Und das ist viel. Viel Arbeit. Aber der beste Job der Welt. Siehe auch: Musik für Theater und Sound Design.
gläntzend porträtiert (Videostill) von Holger Jaquet
Neue Arbeitsfelder oder: Die besten Jahre
Da ich ja selbst aus der Musik komme, lag es vielleicht nahe, Musikvideos für andere Artists zu machen, das in einem Song steckende, in Bildsprache zu übertragen. Natürlich tue ich das auf meine Art, doch immer in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler.
Seit 10 Jahren gibt es das KRÜGERGLANTZQUARTETT. Ein Band-Projekt mit meinem geschätzten Freund und Kollegen Christian Krüger. Avantgarde-Pop für urbane Erwachsene. Oder auch Pressure Listening für alle. Wir lassen beide Antworten gelten. www.audioschau.de
TEIL 5 Die NEUEN Jahre (ab 2022)
Meine (aktuelle) musikalische Heimat ist AYENŌ. –> www.ayeno.de, in einer anderen Form auch unter YENAO –> www.yenao.de. Hier kann ich alles tun und lassen, was ich möchte. Mache ich zwar meist nicht, aber ich könnte. Manchmal lasse ich mir reinquatschen, oft aber nicht. Ich liebe diese Musik, ich liebe es dazu zu singen und damit aufzutreten. Eine echte Herzensangelegenheit. Da gehe ich meinen Weg und glücklicherweise zusammen mit dem Bass-Genie Mr. Stürmer.
Natürlich werde ich mich auch zukünftig sehr gern mit Auftragsarbeiten beschäftigen, mit Intensität und Leidenschaft. Normal halt. Dafür einfach bitte immer kontaktieren. Irgendetwas geht fast immer.
“Entweder es fliegt oder es fliegt nicht.”
Bird of Paradise
I‘m afraid I haven’t got the guts to live a dystopian life I‘m afraid I haven’t got the guts to be a post society man i’m afraid i don’t have what it takes to be a superstar … but I can fly … I’m a bird of paradise.
DADDYcation
Talking to the birds Talking to my mother Talking to the saints Like a star without glamour Like a word without sense Explosive audinance
Mother´s Day
If everything hurts and you’re down and out just wipe yourself out and draw yourself again. When everything is done then ask yourself is this really real and start all over again. If everything is good and you’re flying high try to enjoy it ´cause it won´t last long.